Tumore und ich

Als ich 16 war wurde mir ein gutartiger Kleinhirntumor entfernt.
Mit der Operation sah ich mich von dem befreit, was nicht in mich hineingehört. Ich sah damit die Krankheit als erledigt an.

Erst als 1995 wieder fünf Tumore entdeckt wurden, stellte ich mir die Frage, ob der bisher beschrittene Weg der Richtige sei. Niemand konnte mir die Sicherheit geben, daß nach einer Operation keine Tumore mehr wachsen würden.

Ich sah, daß mit Operationen das Problem meiner Tumore nicht zu lösen wäre. Die Ursache der Tumore war tiefer in mir zu suchen. Ich hatte die Vermutung, daß meine Tumore in direktem Zusammenhang mit meiner ganzen Person, also auch meiner Psyche, stehen.


Es kam damit nur noch ein Weg in Frage, ich mußte lernen mit den Tumoren zu leben. Deshalb sagte ich kurz vor dem Eingriff die Operation ab und seit dem gilt der Satz:

- "Meine Tumore gehören mir." -

Für diese Aussage, die mit der Zeit eine Lebenshaltung wurde, war ich bereit alle Werte aufzugeben, radikal umzudenken. Einstellungen, innere Haltungen, die für mich ganz gewöhnlich waren, musste ich aufgeben.

Der Weg der sich für mich danach ergab zeigte mir, dass wenn ich meine Tumore aus dieser Position heraus betrachte, sie als Teil von mir sehe, Einfluss auf sie habe. Wenn ich mich im Gegensatz dazu von ihnen abgrenze, entfalten sie ihr Eigenleben........
Eine prägende Erfahrung.

Wenn sich meine Tumore bemerkbar machten, war ich geneigt zu hoffen, es wäre nicht so - wollte nicht wahrhaben, dass ich Auswirkungen meiner Tumore spüre. Mir wurde klar, daß diese innere Haltung des Hoffens ganz und gar nicht bewirkt, dass ich Einfluss auf meine Tumore nehmen könnte. Ganz im Gegenteil: mit dieser Haltung "erhoffe" ich Hilfe von einer nicht definierten Kraft. Ich merkte aber gerade in solchen Situationen ist es äußerst wichtig, dass ich mit meinem Bewußtsein nicht innerlich wegschaue. Ich muss mit einer Art Selbstverbundenheit darauf achten, was in mir vorgeht, so wie ich es von Körperübungen her kenne: Versuchen, bei mir zu bleiben und hinspüren, hinschauen was in mir abläuft. Richtig oft war mit dem Einnehmen dieser innerlichen Haltung ein Nachlassen der Auswirkungen verknüpft.

Immer mehr merkte ich, wie wichtig es ist, in mir selbst die Kräfte zu suchen, meinen Kräften zu vertrauen. Was mit der Frage nach der Existenz von Gott in Verbindung steht. Die Frage nach Gott

Um das Wesen meiner Tumore begreifen zu können, war es für mich nötig, genau zu beobachten, wann ich meine Tumore spürte. Ihre Größe ist ein ständiges "auf und ab", eng gekoppelt mit meiner psychischen Situation. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit meinem Unterbewußtsein. Wenn ich eins mit mir bin, wachsen sie nicht. Wenn ich ihre Auswirkungen spürte und spüre, sind meine Tumore offensichtlich im Wachstum. Die Frage lag nahe, was löst das Wachstum aus? Was war unmittelbar vor diesem Moment geschehen? Nur durch das abrupte Innehalten, "in mich gehen" war und ist es mir dann möglich dem begangenen Fehler auf die Schliche zu kommen.
Folgen – vermeidbar

Seitdem ich merkte, dass meine Tumore nicht kontinuierlich wachsen, vermeide ich Situationen, die ein Wachstum hervorrufen könnten. Das bedeutet, dass es für mich wesentlich ist, ehrlich mit mir umzugehen. Ich muss jeden Handlungsschritt vor mir rechtfertigen können.
Selbstbetrug

Um mir über solche Zusammenhänge klar zu werden, hat mir wesentlich die Meditation geholfen.
Meditation

Auch meine Ernährungsweise hat ganz offensichtlich Einfluß auf meine Tumore. Seit ich diesen Zusammenhang eindeutig festgestellt habe, bin ich veganer Rohköstler.
Rohkost

Wenn ich Auswirkungen meiner Tumore spürte, konnte ich mit Bewegungsmeditation (in einer Art Thai Chi) zu Klarheit in mir finden. Auch als Übung für meine Hand war dies sehr förderlich - in Bewegungen hinein zu spüren, gefühlsmäßig, mit dem Bewußtsein in die Bewegungen zu gehen.

Bemerkenswert finde ich die Tatsache, wie sehr Kinder mit ihrem Innern in Einklang stehen. Der Umgang mit Kindern hat daher diese unbeschreibbare Intensität. Kinder sind mit ihrem Inneren viel stärker verbunden als Erwachsene. Richtig gern widme ich meine Zeit Kindern. Auch ich habe einen Sohn und schön hätte ich es gefunden, wenn Narimeh (9) in dem Film auch vorgekommen wäre. Da sich seine Mutter mir und meinen Ansichten verschließt, war dies leider nicht möglich. Auch Narimeh hätte es schön gefunden in dem Film erscheinen zu dürfen.

Wesentlich in meinem Leben ist der Umgang mit der Frage nach der Angst vor dem Tod

Kläre ich diese Lebensfrage nicht, beeinträchtige ich mit dieser Verdrängung wesentlich den Kontakt zu meinem Inneren, was dann auf meine Tumore wirkt.

Diese Frage steht sicher in Zusammenhang mit der Ungewißheit, was "danach" kommt. Angenehm wäre es mir natürlich auch, wenn es nach dem Tod weitergeht. Aber ich weiß es eben nicht, ich könnte es nur glauben. Hinter solchem Glauben muss aber logischerweise immer der Zweifel stehen - es könnte ja doch anders sein!
Ignorieren des Todes

Die Auseinandersetzung mit der Frage nach der Angst vor dem Tod ist nicht nur für den Umgang mit meinen Tumoren von entscheidender Bedeutung, sondern hat auch auf die Intensität meiner Gefühle und auf meine Lebensqualität, wesentlichen Einfluß. Mir gibt das Leben nach diesem Prinzip viel.
Auf meinem Weg wurde mir auch bewußt, wie groß die Unaufrichtigkeit in der Gesellschaft ist.
Geld und Unwahrheit

Ziemlich sicher ist, dass der Grund der Entstehung meiner Tumore in der Belastung durch die chemische Industrie zu suchen ist.
Belastung von Chemie
Aber auch wenn meine Tumore durch äußere Einflüsse hervorgerufen wurden, sie sind in mir gekommen und ich muß mit ihnen umgehen.
Ich kann mich nicht als Opfer sehen. Es ist für mich unannehmbar, weil es eine Art von Ausgeliefertsein erzeugt und mir unweigerlich meine Einflußmöglichkeit auf meine Tumore raubt. Ich darf diese Haltung auf keinen Fall annehmen.

Im Jahre 1999 beging ich dann aber einen entscheidenden Fehler:

Als sich meine Freundin unerwartet von mir trennte, ignorierte ich mein Inneres - wollte an den alten Gefühlen festhalten.

In dieser Zeit wuchsen zwei meiner Tumore. Als ich meinen Fehler erkannte, war ich nicht mehr in der Lage die Situation umzukehren. Ich hatte das Gefühl, es wäre zu spät.

Mein Inneres war dabei mich ins Jenseits zu beordern. Ich musste mich äußeren Kräfte anvertrauen und nach Heidelberg in die Neurochirugie, um die Lage wieder in den Griff zu bekommen.

Nun weile ich weiterhin unter den Lebenden. Es wurden zwei von meinen Tumoren, die für mich lebensbedrohlich wurden, entfernt.

Da ich meinen begangenen Fehler einschätzen kann, habe ich keine Angst vor meinen verbliebenen Tumoren. Ganz im Gegenteil, das Verstehen meines Inneren wurde nach der Operation extrem intensiv. Ich bin durch die gesammelten Erfahrungen meinem Inneren und damit auch meinen Tumoren ein weiteres Stück näher gekommen.

Wahrscheinlich werden einige diese Webseite lesen, weil sie selbst von Ähnlichem betroffen sind.

Die eigentliche Hilfe kann ein jeder aber nur selbst in seinem Inneren suchen und finden. Mein Weg kann eigentlich auch nur Anregung sein, im eigenen Inneren zu schauen. Ganz sicher wird das, was ich erfahren habe auch für andere erfahrbar sein. Aber jeder/jede kann dies eben nur durch das eigene Innere erfahren.

Als Entscheidungshilfe für oder gegen eine Operation sollten meine Erfahrungen nur verwendet werden, wenn jemand aufrichtig in sich sucht. Auch ich wäre nicht mehr unter den Lebenden, wenn ich mich nicht hätte operieren lassen.

Aber auch umgekehrt möchte ich keine Hürden aufbauen. Das was ich von meinem Inneren erfahren habe, ist in jedem verborgen. Es bedarf auch keiner Tumore, um dazu finden zu können.....


- Eine Äußerung zum Schluß -
Zusammenhänge