- Tief in jedem verborgen, dort liegt die Wahrheit,
die Gott hineingelegt hat und Gott selber ist -

Dieser weise Spruch hat mich über Jahre begleitet. Er läßt die Frage nach Gott offen und zeigt den Weg auf – in einem selbst liegt die Wahrheit. Gläubige, aber auch Atheisten können mit diesem Spruch leben.

Obwohl ich eigentlich schon als Kind das Bedürfnis nach einem Glauben hatte, wurde nie mehr daraus als das Wort auch beinhaltet – glauben. Zweifel blieben. Das von mir erlebte Gottesbild war aber auch nicht schlüssig. Mit dem Begriff Gnade oder mit dem Sündenbegriff kam ich nie klar. Dies hat aber auch seinen Grund. Das Anliegen der Kirchen, über die Definition des Begriffs Sünde Einfluß auf das Geschehen in der Welt zu nehmen, ist zwar verständlich. Doch die Frage ist, ob die damit verbundene unabdingbare Verzerrung des Weltbildes durch das Vermischen mit ethischen Anliegen nicht zu den Zweifeln führt.

Mit der Zeit lernte ich immer mehr auf mein eigenes Inneres zu vertrauen.

Innerliche Hürden entdeckte ich, weshalb ich nicht nur auf die Kräfte in meinem Inneren schauen wollte:

Tief in mir saß das Bild von Atheisten - nüchtern - so als wäre mit dem Atheismus und mit dem Leugnen einer übergeordneten Kraft auch notwendigerweise das Nichtvorhandensein tragender Gefühle verbunden.

Dieses Bild scheint weit verbreitet zu sein und führt ganz offensichtlich dazu, dass viele um den Atheismus einen großen Bogen machen.

Warum wird Atheist zu sein aber als nüchtern angesehen, so als würde damit auch eine Absage an die Gefühle verbunden sein? Die Gefühle kommen aber von meinem Inneren und ich kann bezeugen, dass auch als Atheist Glücksgefühle kommen. Die Gefühle sind auch nicht kleiner oder geringerwertig als Atheist.

Die Gefühle sehe ich zudem nicht in Abhängigkeit von einer äußeren Kraft. Auch für den Umgang mit meinen Tumoren ist es unablässig nicht auf die Gnade, das Wohlwollen einer äußeren Kraft, angewiesen zu sein.

So wie ich Atheisten früher als nüchtern angesehen habe und ihnen innerlich das Glücklichsein und tiefe Gefühle abgesprochen habe, so leugnen ganz offensichtlich viele in der Gesellschaft Glücksgefühle der anderen. Ganz offensichtlich ist diese Ansicht, wie ich sie früher hatte, sehr verbreitet und sicher auch der Grund für die kulturellen Gegensätze.

Auf der ganzen Welt nehmen Religionen für sich in Anspruch, den Schlüssel für die inneren Gefühle innezuhaben und können es nicht verstehen, dass auch andere diesen Schlüssel haben sollen.

Krasse Differenzen erwachsen aus dem gegenseitigen Aberkennen einen "Weg zum Glück" zu haben. Und dabei ist offensichtlich die Entstehung der inneren Gefühle unabhängig von der Anschauung.
Toleranz

Auffällig ist die Tatsache, dass in vielerlei Religionen und genauso im Atheismus, tragende Gefühle möglich sind. Durch das Erhalten dieser Gefühle fühlt sich ein jedeR in der eigenen Anschauung, in dem eigenen Weltbild bestätigt. Sicher aber gibt es nicht viele verschiedene Kräfte, die solche tragenden Gefühle ermöglichen. Sondern sehr wahrscheinlich ist es, dass die Entstehung der Gefühle in Menschen gar nicht mit der Anschauung zusammenhängt, sondern einfach Fakt allen Lebens ist, das mit sich in Einklang steht, unabhängig von der Anschauung.